Profitiert meine Gesundheit von regelmäßiger sportlicher Betätigung?

2 Sep 2019

Dr. med. Boris Gojanovic, FMH Allgemeinmedizin und Sportmedizin SSMS, Hôpital de La Tour SA, Meyrin / GE

Natürlich, Sie kennen die Antwort auf diese Frage: „Ich bin dann gesünder”! Das stimmt und muss immer wieder betont werden, aber vielleicht ist es sinnvoll, einige Einzelheiten zu betonen. Regelmäßige körperliche Aktivität wirkt sich positiv auf viele Gesundheitsfaktoren aus, von denen einige weniger bekannt sind.

Diese zweiteilige Information führt die verschiedenen Probleme auf, die durch körperliche Aktivität positiv beeinflusst werden. In diesem ersten Teil werde ich auf die großen klassischen Gefährdungen unserer Zeit eingehen, die wichtigsten nichtübertragbaren Krankheiten (englisch: NCD für non-communicable diseases), die aufgrund von Mortalität (vorzeitiger Tod) und direkten Kosten für die großen Gesundheitsprobleme verantwortlich sind. Der zweite Teil wird andere Gesundheitsaspekte beleuchten, die nicht weniger wichtig sind, aber oft weniger direkt mit Kosten oder Mortalität zusammenhängen und deshalb in geringerem Maße berücksichtigt oder kommentiert werden.

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen (kardiovaskuläre Erkrankungen) – eine konstante Geißel unserer Zeit. Unter diesem Begriff werden Schädigungen an den Herzkranzgefäßen (verursachen Herzinfarkt), an den Arterien, die zum Gehirn führen (verursachen Schlaganfall), und an anderen Arterien, die zu den Beinen oder Organen wie beispielsweise den Nieren führen. Ich würde auch Bluthochdruck (arterielle Hypertonie) in diese Kategorie einordnen, da er eine wichtige Rolle bei der Entstehung dieser Erkrankungen spielt.
    Unabhängig davon, aus welchem Blickwinkel wir diese Gesundheitsprobleme analysieren, haben wir mehrere Gewissheiten: Sie sind in unserer Bevölkerung sehr präsent und nehmen mit dem Alter zu, sie können und müssen behandelt werden, um vorzubeugen oder Rückfälle zu verhindern und schließlich hilft körperliche Aktivität immer dabei, negative Auswirkungen auf die Gesundheit zu begrenzen.

Wirkung körperlicher Aktivität: Auf den Blutdruck – die Werte lassen sich um etwa 10 Punkte reduzieren, was einen signifikanten Einfluss auf das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen hat. Dabei werden die indirekten Effekte (siehe unten) nicht mitgezählt. Die Blutkapillar- und Muskelentwicklung ermöglicht die Öffnung (Erweiterung) der Blutgefäße sowie eine Verbesserung ihrer Flexibilität (Dehnbarkeit), was zu einer besseren Durchblutung führt. Regelmäßige Bewegung bedeutet, dass das Risiko für das Auftreten eines kardiovaskulären Ereignisses um 30 bis 50 % reduziert werden kann.

  • Diabetes – eine Krankheit, die aufgrund ihrer vielfältigen und diskutierten Ursachen noch unzureichend verstanden wird: Genetik, Ernährung, Umwelteinflüsse, Verhalten und Lebensstil. Sicher ist, dass der Zuckerstoffwechsel gestört ist, da das Insulin nicht auf die Zellen wirkt (man spricht von „Resistenz” oder Unempfindlichkeit) und die Anhäufung von Zucker für die Blutgefäße schädlich ist, was uns zurückbringt zu Punkt 1.

Wirkung körperlicher Aktivität: Diese ermöglicht (zumindest teilweise) eine Korrektur der Insulinresistenz und stellt die Fähigkeit des Körpers, Zucker zu verstoffwechseln, wieder her. Dieser Effekt muss mit anderen Änderungen der Lebensweise und häufig auch mit Medikamenten kombiniert werden, um das Auftreten von Diabetes-Komplikationen zu reduzieren. Wir wissen auch, dass aktive Menschen seltener Diabetes entwickeln. Diabetiker, die Sport treiben, wissen genau, dass die Kontrolle ihrer Krankheit bei Verletzungen, die sie dazu zwingen, den Sport einzustellen, stark gestört wird. Deshalb wissen sie, dass sie mehrere Eisen im Feuer haben müssen, um ihre körperlichen Aktivitäten variieren zu können. Siehe die Informationen von diabetesschweiz.

  • Krebserkrankungen – diese sind vielfältig, haben wie alle nichtübertragbaren Krankheiten die verschiedensten Ursachen und die Prävention ist über bestimmte Früherkennungsarten hinaus schwierig. Die wichtigsten Krebsarten in der Schweiz sind Brustkrebs bei Frauen, Prostatakrebs bei Männern sowie Darm- und Lungenkrebs bei beiden Geschlechtern.


Wirkung körperlicher Aktivität: Sie spielt auf mehreren Ebenen eine Rolle – sowohl bei der Prävention von Krebs sowie dessen Rezidiven als auch bei der Verbesserung des Wohlbefindens während Krebsbehandlungen. Für eine Person, die bereits an Krebs erkrankt ist, berichten Studien von einer 30 bis 40%igen Risikoverringerung für ein Wiederauftreten und einen vorzeitigen Tod. Was die Krebsprävention betrifft, so scheinen wesentliche Auswirkungen körperlicher Aktivität auf die Regulierung bestimmter Hormone, auf das Gewicht, auf Entzündungen und das Immunsystem auf einen gewissen Schutz vor Krebs zu hinzudeuten. Dieser wird nie perfekt sein, denn auch Gene und bestimmte Gewohnheiten (Tabak) haben auf die Bilanz einen entscheidenden Einfluss.

Diese Zahlen sind recht vielsagend und deuten darauf hin, dass nie auf regelmäßige körperliche Aktivität verzichten sollte, wer sein gegenwärtiges und zukünftiges Gesundheitskapital verbessern möchte. Genau das sagen diese Zahlen. Körperliche Aktivität ist unerlässlich, wenn Sie durch die Verbesserung der Gesundheitskosten zu Ihrem eigenen und dem Wohlbefinden der Gesellschaft beitragen wollen. Auch das Bundesamt für Gesundheit (BAG) irrt sich nicht, wenn es dies in seinem Dokument Nationale Strategie zur Prävention nichtübertragbarer Krankheiten (NCD-Strategie) 2017–2024 betont, was Sie hier nachlesen können.

Im zweiten Teil dieser Information werden wir uns mit weiteren, ebenfalls nützlichen Gesundheitsaspekten befassen. Zweifellos dürften diese Zahlen Sie überraschen und Sie sogar motivieren, Menschen in Ihrem Umfeld von einem mobileren und aktiveren Lebensstil zu überzeugen.

Bild sus: Dokument des Bundesamtes für Gesundheit (BAG), Nationale Strategie zur Prävention nichtübertragbarer Krankheiten (NCD-Strategie) 2017-2024


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